Entwurf einer neuen Maschinensicherheits-verordnung

Richtig gelesen – die bis dato gültige Maschinensicherheitsrichtlinie 2006/42/EG soll aufgrund Ihres Ausgabealters und der einhergehenden Digitalisierung überarbeitet werden.

Es wurde bereits ein „Proposal“ eingebracht, welches die Richtlinie ebenso mit Neuerung auch direkt in den Rang einer Verordnung heben soll, damit diese bei Ausgabe jeweils direkt in den EU-Mitgliedsstaaten Gültigkeit erlangt und nicht erst in nationales Gesetz gewandelt werden muss (in Österreich = nationale Maschinensicherheitsverordnung MSV 2010)

Der Vorteil einer Verordnung ist ganz klar – Übergangsfristen können auf ein Mindestmaß reduziert werden, im Zeitalter von Industrie 4.0 ist schnelle Wandlungsfähigkeit gefragt.

Anpassung an das New Legislative Framework

Die aktuelle Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ist eine Richtline des sogenannten „New Approach“, wurde jedoch noch nicht an das New Legislative Framework (NLF) angepasst. Der Vorschlag („Proposal“) zur Einbringung von Neuerungen / Änderungen sieht ebenso so vor, diese an den NLF anzupassen – dies dient vor allem zur Eliminierung von Abweichungen zwischen unterschiedlichen Harmonisierungsvorschriften.

 

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IT/Cyber-Security

Die Grundlegenden Sicherheits- & Gesundheitsschutzanforderungen (GSGA) legen die Basis des sicheren Maschinenbaus innerhalb der Maschinenrichtlinie fest, doch hier ist das Thema Cyber-Security aktuell nicht verankert.
Der Entwurf sieht vor, dass ein eigener Punkt hinzugefügt werden soll, welcher sich auf Sicherheitsfunktionen bezieht:

„Im Hinblick auf die Berücksichtigung von Risiken, die sich aus böswilligen Handlungen Dritter ergeben und die sich auf die Maschinensicherheit auswirken, wird mit dem Vorschlag die neue grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderung 1.1.9 hinzugefügt und die grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderung 1.2.1 über die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Steuerungen präzisiert.“ – Entwurf Brüssel 2021/0105 (COD)

Mensch-Maschine-Interaktion

„Maschinen werden immer leistungsfähiger und autonomer und einige sehen fast wie Menschen aus, was eine Anpassung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen in Bezug auf den Kontakt zwischen Mensch und Maschine erfordert, d. h. die grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen 1.1.6 zur Ergonomie und 1.3.7 zu Risiken im Zusammenhang mit beweglichen Teilen und psychologischem Stress.“ – Entwurf Brüssel 2021/0105 (COD)

Maschinen mit sich entwickelnden Fähigkeiten

„Obwohl die Risiken von KI-Systemen durch die Rechtsvorschriften der Union über KI geregelt werden, muss in dem Vorschlag sichergestellt werden, dass die gesamte Maschine sicher ist, wobei die Wechselwirkungen zwischen den Maschinenkomponenten einschließlich der KI-Systeme zu berücksichtigen sind. In diesem Zusammenhang wurden die folgenden grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen angepasst: Allgemeine Grundsätze, 1.1.6 zur Ergonomie, 1.2.1 zur Sicherheit und Zuverlässigkeit von Steuerungen und 1.3.7 zu Risiken im Zusammenhang mit beweglichen Teilen und psychologischem Stress.“ – Entwurf Brüssel 2021/0105 (COD)

Rückverfolgbarkeit der Maschinensicherheit

„Die Sicherheit von Maschinen hängt zunehmend vom Softwareverhalten ab, nachdem die Maschine in Verkehr gebracht worden ist. Zur Unterstützung des Verfahrens der Konformitätsbewertung und der Marktüberwachung wurden in der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderung 1.2.1 zur Sicherheit und Zuverlässigkeit von Steuerungen sowie den in den technischen Unterlagen geforderten Informationen in Anhang IV einige neue Anforderungen hinzugefügt.“ – Entwurf Brüssel 2021/0105 (COD)


Hier gelangen Sie direkt zum Entwurf in den Amtssprache der EU-Mitgliedsstaaten:
–> Entwurf Maschinensicherheitsverordnung EUR-LEX <–

Bleiben Sie am Ball – speziell Anforderungen im IT-Security Bereich sind ein noch sehr „junges“ Thema, welches sich künftig als fester Bestandteil im regulären Maschinenbau wiederfinden wird.

Autor

Kevin Nikolai, CMSE®, CECE

Senior Manager Training | Produktmanagement bei Pilz Österreich